Nicht die Regenmenge über einen ganzen Tag entscheidet, ob eine Sturzflut entsteht, sondern wie viel Wasser in wie kurzer Zeit fällt. Der Deutsche Wetterdienst definiert Starkregen genau danach: Niederschlagsmengen, die in sehr kurzer Zeit fallen und das Kanalsystem einer Stadt oder das Abflussvermögen eines Bachbetts überfordern, unabhängig von der Gesamtmenge über den Tag verteilt.
Warum Zeit wichtiger ist als Menge
Vierzig Millimeter Regen, verteilt über zwölf Stunden, versickern größtenteils im Boden oder fließen kontrolliert über die Kanalisation ab. Dieselben vierzig Millimeter, gefallen innerhalb von vierzig Minuten, überfordern selbst gut ausgebaute Entwässerungssysteme sofort. Der Boden kann Wasser nur mit einer bestimmten Geschwindigkeit aufnehmen, und diese Geschwindigkeit ist bei starkem, kurzem Regen viel geringer als die Rate, mit der das Wasser tatsächlich fällt.
Der Deutsche Wetterdienst definiert Starkregen nicht nach der Gesamtmenge, sondern nach der Fallrate: wie viel Regen in einer bestimmten kurzen Zeitspanne fällt und damit das Abflussvermögen überfordert.
Versiegelte Flächen in Städten, Straßen, Parkplätze, Dächer, verschärfen dieses Problem zusätzlich. Wo natürlicher Boden Wasser aufnehmen könnte, leitet Asphalt es unverändert weiter, und das Wasser sammelt sich an den tiefsten Punkten der Umgebung, oft Unterführungen, Kellerabgänge oder enge Straßenzüge.
Wie ein einzelnes Gewitter genug Wasser produziert
Ein einzelnes, langsam ziehendes oder sich immer wieder neu bildendes Gewitter kann über einem begrenzten Gebiet stundenlang Regen abgeben, während wenige Kilometer weiter kaum ein Tropfen fällt. Dieses Phänomen, wenn sich Gewitterzellen wiederholt über derselben Stelle bilden und abregnen, wird als Rückbildung bezeichnet und ist einer der häufigsten Auslöser für lokale Starkregenereignisse mit Sturzflutfolge.
Der Grund dafür liegt in der Windscherung, oder genauer: dem Fehlen einer ausreichenden Windscherung, die eine Zelle normalerweise weiterziehen lässt. Bleibt die Zelle über einem Ort stehen, statt weiterzuziehen, summiert sich die Regenmenge an genau diesem Ort immer weiter auf, während umliegende Gebiete trocken bleiben.
Warum versiegelte Flächen das Problem verschärfen
In Städten verstärkt die zunehmende Versiegelung von Flächen, neue Parkplätze, zusätzliche Straßen, verdichtete Wohngebiete, das Sturzflutrisiko zusätzlich zum reinen Wetterphänomen. Jede neu versiegelte Fläche bedeutet weniger natürlichen Boden, der Regenwasser aufnehmen könnte, und mehr Wasser, das direkt und ungebremst in die Kanalisation oder an die Oberfläche abfließt. Ältere Kanalsysteme, die vor Jahrzehnten für die damalige Bebauungsdichte und die damaligen Niederschlagsmuster ausgelegt wurden, stoßen bei heutigen Starkregenereignissen häufig an ihre Kapazitätsgrenzen, selbst wenn die Regenmenge selbst nicht historisch außergewöhnlich ist.
Das bedeutet, dass zwei identische Starkregenereignisse in unterschiedlichen Jahrzehnten am selben Ort durchaus unterschiedliche Folgen haben können, einfach weil sich der Versiegelungsgrad der Umgebung in der Zwischenzeit verändert hat.
Der Unterschied zwischen Warnung und Wirklichkeit
Eine allgemeine Unwetterwarnung für einen Landkreis sagt wenig darüber, ob eine bestimmte Straße oder ein bestimmter Keller tatsächlich betroffen sein wird. Die Rückbildung von Gewitterzellen sorgt dafür, dass Starkregen extrem lokal auftreten kann, oft auf wenige Straßenzüge begrenzt, während der Rest des Warngebiets trocken bleibt.
RainViewer zeigt Niederschlagsraten in Echtzeit auf 100 Meter genau, sodass sich erkennen lässt, ob eine Gewitterzelle tatsächlich über einer bestimmten Straße stehen bleibt oder weiterzieht.
Die Regenrate verfolgen, nicht nur die allgemeine Warnung
Eine Unwetterwarnung ist der richtige erste Hinweis, aber sie deckt oft einen ganzen Landkreis ab, während das eigentliche Sturzflutrisiko sich auf einzelne Straßenzüge konzentriert. Wer wissen will, ob eine bestimmte Stelle tatsächlich betroffen sein wird, braucht die genaue Niederschlagsrate an genau diesem Ort.




