Wie entsteht Hagel? Vom Eiskorn zum Unwetter

Wie entsteht Hagel? Vom Eiskorn zum Unwetter | RainViewer Blog

Ein Hagelkorn von der Größe eines Golfballs oder größer ist kein Zufallsprodukt eines gewöhnlichen Gewitters. Es braucht eine ganz bestimmte Kombination aus Aufwindstärke und Wolkenhöhe, die nur in den kräftigsten Gewitterzellen vorkommt, den sogenannten Superzellen.

Live-Radar über Deutschland in der RainViewer-App, mit Gewitterzellen und amtlichen Unwetterwarnungen auf derselben Karte

Der Aufzug, der das Eis wachsen lässt

Alles beginnt mit einem kleinen Eiskern, oft nicht größer als ein Sandkorn, der in der kalten oberen Wolkenschicht entsteht. In einer gewöhnlichen Gewitterwolke fällt dieser Kern relativ schnell zu Boden und schmilzt unterwegs zu Regen. In einer Superzelle jedoch existiert ein außergewöhnlich starker, anhaltender Aufwind, der den Eiskern immer wieder nach oben trägt, statt ihn fallen zu lassen.

Bei jedem Durchgang durch die unterkühlten Wassertröpfchen in der Wolke setzt sich eine weitere Eisschicht auf dem Korn ab. Je länger der Aufwind das Korn oben hält, desto mehr Schichten sammeln sich an, ähnlich wie bei einer Zwiebel. Ein Hagelkorn kann diesen Zyklus mehrfach durchlaufen, bevor es schließlich so schwer wird, dass selbst der stärkste Aufwind es nicht mehr tragen kann.

Ein Hagelkorn wächst durch wiederholtes Auf- und Absteigen im Aufwind einer Gewitterzelle, wobei bei jedem Durchgang eine weitere Eisschicht hinzukommt, ähnlich den Schichten einer Zwiebel.

Warum die Poebene und Süddeutschland besonders betroffen sind

Für faustgroßen Hagel braucht es Aufwinde von oft über 150 Stundenkilometern, eine Windgeschwindigkeit, die nur in gut organisierten Superzellen erreicht wird. Diese Zellen entstehen bevorzugt dort, wo warme, feuchte Luft auf eine ausgeprägte Windscherung trifft, also eine Veränderung der Windrichtung und -geschwindigkeit mit der Höhe. Genau diese Bedingungen treten im Spätsommer häufig über Norditalien und Süddeutschland auf, wo feuchte Mittelmeerluft auf kühlere Luftmassen aus dem Norden trifft.

Die Nähe zu den Alpen verstärkt diesen Effekt zusätzlich, da die Berge die aufsteigende Luft weiter anheben und so die Grundlage für noch kräftigere Aufwinde schaffen.

Warum Hagel nicht überall in der Zelle gleich groß ist

Innerhalb einer Superzelle verteilt sich der größte Hagel nicht gleichmäßig. Der schwerste Hagel fällt meist in einem relativ schmalen Streifen, oft direkt neben oder hinter dem stärksten Teil des Aufwinds, ein Bereich, den Meteorologen als Hagelkorridor bezeichnen. Das erklärt, warum zwei Orte nur wenige Kilometer voneinander entfernt völlig unterschiedliche Erfahrungen mit demselben Gewitter machen können: der eine Ort wird von golfballgroßen Körnern getroffen, während der andere nur starken Regen ohne nennenswerten Hagel abbekommt.

Diese enge räumliche Begrenzung ist auch der Grund, warum selbst eine präzise regionale Unwetterwarnung nicht vorhersagen kann, welcher einzelne Ort innerhalb des Warngebiets tatsächlich vom größten Hagel getroffen wird.

Was die Größe des Hagelkorns tatsächlich verrät

Die Größe eines gefallenen Hagelkorns ist im Nachhinein ein direkter Hinweis auf die Stärke des Aufwinds, der es getragen hat. Golfballgroße Körner deuten auf Aufwinde von etwa 100 Stundenkilometern hin, tennisballgroße auf deutlich mehr. Diese Information ist für Meteorologen wertvoll, weil sie zeigt, wie intensiv eine bestimmte Zelle tatsächlich war, unabhängig davon, wie sie von außen aussah.

RainViewer zeigt die Kernzelle eines Gewitters live auf dem Radar, einschließlich der stärksten Reflektivitätswerte, die typischerweise mit großem Hagel einhergehen.

Die Zelle verfolgen, nicht nur den Himmel beobachten

Ein dunkler Himmel allein sagt wenig darüber aus, ob ein Gewitter Hagel produzieren wird oder nicht. Die entscheidende Information liegt in der Struktur der Zelle selbst, die sich am besten über Radar verfolgen lässt, lange bevor das erste Hagelkorn tatsächlich fällt.

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